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Praxissemester: Die heimliche Kürzung in der Lehrerausbildung

 
Praxissemester: Die heimliche Kürzung in der Lehrerausbildung

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Lehramtsstudenten sollten so wie früh wie möglich vor einer Klasse stehen, damit sie nicht nach ein paar Jahren Studium völlig überrascht feststellen: Huch, da sind ja Kinder. Deswegen gibt es seit Februar 2015 in Nordrhein-Westfalen ein sogenanntes Praxissemester, bei dem angehende Lehrkräfte während ihres Master-Studiums knapp sechs Monate lang probeweise unterrichten. Diese sechs Monate hat die rot-grüne Regierung aber gleichzeitig beim Referendariat weggekürzt – ohne sie zu bezahlen.

Das erste halbe Jahr Lehrerausbildung wird also – trotz eines ersten universitären Bachelor-Abschlusses – nicht mehr entlohnt. Klammheimlich spart die Regierung kräftig Geld ein, feiert die Maßnahme aber als Fortschritt. Vertreter der Studierendenschaft protestieren dagegen – mit geradezu moderaten Vorschlägen: Die Initiatorin einer Online-Petition hat auf Basis des Mindestlohns von 8,50 Euro ein monatliches Gehalt von rund 425 Euro ausgerechnet. Das ist rund ein Drittel des ehemaligen Referendariats-Gehalts von über 1200 Euro.
Unser Abgeordneter @Nick_Haflinger zu unserem #Praxissemester-Antrag. #ltnrw #aUSzeit pic.twitter.com/YmnxhZyo7w

— Piratenfraktion NRW (@20piraten) November 9, 2016


Unter enger Zusammenarbeit mit Vertretern aus der Studierendenschaft hat die Piratenfraktion NRW einen Antrag verfasst, um diese heimliche Kürzungsmaßnahme rückgängig zu machen. „Politiker, Gewerkschaften, Verbände und Ministerinnen sagen andauernd ‚Der Lehrerberuf muss attraktiver werden‘. Doch diese 5 Wörter reichen nicht“, spricht Piraten-Abgeordneter Joachim Paul bei seiner Rede im Landtag NRW die Regierungsbank an. „Sie machen den Lehrerberuf noch unattraktiver, als Ihnen selbst das lieb sein kann.“

Der Piraten-Antrag wurde nun in den Ausschuss für Innovation, Wissenschaft und Forschung überwiesen und wird dort weiter diskutiert.

Mehr:

Antrag mit AStA-Vertretern: Lehrerausbildung fair entlohnen

Debatte in Fraktionssitzung: Sollte praktische Lehrerausbildung bezahlt werden?
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Praxissemester entlohnen und Lehrerausbildung optimieren

 
Praxissemester entlohnen und Lehrerausbildung optimieren

I. Sachverhalt

Die nordrhein-westfälische Lehrerausbildung ist über Jahre gewachsen und wurde durch immer fortschreitende Aufgabenerhöhung an alle Beteiligten an der Lehrerausbildung geradezu überfrachtet. Durch die Umstellung auf Bachelor/Masterstudiengänge und die Verkürzung des Vorbereitungsdienstes auf 18 Monate bei gleichzeitiger Etablierung eines Praxissemesters sind die Anforderungen für die angehenden Lehrerinnen und Lehrer gestiegen. Dies wird noch durch die Herausforderungen und die Implementierung von digitaler Bildung, Inklusion und Heterogenität der Schülerinnen und Schüler verstärkt.

Die Erhöhung der Studienplätze und die gestiegenen Bedarfe an gut ausgebildeten Lehrkräften werden gerade die  Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung (ZfSL) vor enorme logistische und personelle Herausforderungen gestellt. Gerade diese Zentren sind im Hinblick auf die Bewältigung der Praxissemester nicht genügend finanziell und personell ausgestattet worden.

Daraus ergeben sich dringende Handlungsbedarfe, die mit einer Neustrukturierung der ZfSL und einer zusätzlichen besseren Betreuungsrelation an den Universitäten einhergehen müssen.

Durch die Einsparungen der 6 Monate Vorbereitungsdienst wurden de facto Mittel in der Lehrerausbildung gekürzt, sodass die Studierenden im Praxissemester trotz eines berufsqualifizierenden Abschlusses  unentgeltlich Lehrtätigkeiten übernehmen müssen und so Unterrichtsausfall kompensieren. Bei einer Arbeitsbelastung von 390 Stunden ( 240 Stunden schulischer Ausbildungsteil, 60 Stunden für Vor – und Nachbereitung des Unterrichtes und 90 Stunden Veranstaltungen der ZfSL) ist von einer Vollzeitbeschäftigung auszugehen, die keinen Nebenjob für Studierende zulässt, um den Lebensunterhalt zu bestreiten, obwohl laut der 20. Sozialerhebung der DSW rund 2/3 aller Studierenden Nebenjobs erwerbstätig sind. Der Faktor Zeit spielt aufgrund einer Vergabe von am Ende 13 Leistungspunkten für das Modul ebenfalls eine Rolle. Neben den Tätigkeiten im Praxissemester sind noch 17 weitere Leistungspunkte zu erwerben, um das Soll von 30 Leistungspunkten im Semester zu erfüllen, was die Auslastung weiterhin erhöht. Welche Möglichkeiten die Universitäten den Studierenden bieten, die zusätzlichen Leistungspunkte zu erwerben (z.B. Blended Learning Veranstaltungen als Konzept) divergieren je nach Hochschulstandort.

Zusätzlich ist festzustellen, dass viele Studierende aufgrund der verlängerten Anfahrtswege noch zusätzliche Belastungen auf sich nehmen müssen.

Auch die aufnehmenden und ausbildenden Schulen sind mit der Durchführung des Praxissemesters mit einer Zusatzaufgabe betraut die nicht adäquat ausgeglichen wird. Hier reichen die Problemfelder von Organisation (Kapazitäten und Kontakt) über Infrastruktur bis hin zur Auslastung der betreuenden Lehrkräfte.

II. Der Landtag stellt fest
  • dass eine Harmonisierung der drei praktischen Ausbildungsteile der Lehrerausbildung (Orientierungspraktikum, Praxissemester und Vorbereitungsdienst) in der nordrhein-westfälischen Lehrerausbildung komplett fehlt
  • dass die Reduzierung des Vorbereitungsdienstes von 24 auf 18 Monate eine politisch gewollte Kürzungsmaßnahme war und wieder geändert werden muss
  • dass das Praxissemester angemessen vergütet werden muss
  • dass eine Neustrukturierung der ZfSL dringend benötigt wird, damit auch die Kapazitäten bezogen auf das Praxissemester im ländlichen Raum mit ausgeschöpft werden und damit Fahrtwege reguliert werden können
  • dass die personellen Kapazitäten der ZfSL für die Bewältigung des Praxissemesters deutlich erhöht werden müssen
III. Der Landtag fordert die Landesregierung auf
  • Ein schlüssiges Konzept zur Optimierung und Verbesserung des Praxissemesters gemeinsam mit den Hochschulen, ZfSL und den beteiligten Schulen zu entwickeln und dem Landtag vorzulegen
  • Die nötigen Haushaltsmittel zu einer angemessenen Bezahlung der Lehramtstudierenden im Praxissemester bereitzustellen
  • Die ausbildenden Schulen bei der Durchführung des Praxissemesters in der Lehramtsausbildung finanziell und personell aufzustocken, sowie wie die nötige Infrastruktur zu schaffen
  • zu gewährleisten, dass die Schulen hinsichtlich ihrer Ausbildungskapazitäten auch mit unterschiedlichen ZfSL kommunizieren können
  • Die Personalkapazitäten der ZfSL deutlich zu erhöhen und die nötigen Mittel dafür bereitzustellen
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Antrag mit AStA-Vertretern: Lehrerausbildung fair entlohnen

 
Antrag mit AStA-Vertretern: Lehrerausbildung fair entlohnen

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Politisch engagierte junge Leute werden oft auf Veranstaltungen eingeladen und dürfen dann davon erzählen, was „die junge Generation“ so wichtig findet – aber werden genauso häufig mit einem „Es ist so toll, dass sich junge Leute so engagieren“ abgespeist, ohne dass jemand ihre Forderungen ernst nimmt. Echte Bürgerbeteiligung sieht anders aus. Das hat sich auch die Piratenfraktion NRW gedacht und hat drei Vertreter großer Allgemeiner Studierendenausschüssen (AStA) in die Fraktionssitzung eingeladen – um danach mit ihnen zusammen einen Antrag zu schreiben.

„Ich habe mich sehr ernst genommen gefühlt“, sagte zum Beispiel Christopher Kohl vom AStA der Uni Köln nach der Sitzung. „Sonst wird man gerade von konservativen Parteien nur belächelt.“ Katrin Lögering vom Landes-ASten NRW und Matthias Sommer vom AStA der Uni Duisburg-Essen lobten zudem die gute Atmosphäre. (Hier geht’s zum Bericht über die Sitzung)
Vertreter von @AStAUK,Landes-Asten NRW,@astadue haben in der #Frasi mit uns über Bezahlung der #Praxissemester f Lehrämter diskutiert.Fazit: pic.twitter.com/90vlja3nSt

— Piratenfraktion NRW (@20piraten) October 25, 2016


In der Woche nach der Sitzung haben sich die Vertreter mit dem zuständigen Referenten zusammengesetzt und einen Antrag für den Landtag NRW geschrieben: „Praxissemester entlohnen und Lehrerausbildung optimieren“ lautet der Titel, in dem unter anderem gefordert wird, „die nötigen Haushaltsmittel zu einer angemessenen Bezahlung der Lehramtstudierenden im Praxissemester bereitzustellen“.

Der Antrag wird jetzt den Prozess im Landtag NRW durchlaufen und den anderen Fraktionen zur Abstimmung vorgelegt. Wir werden weiter darüber berichten.
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Mehr:

Antrag „Praxissemester entlohnen und Lehrerausbildung optimieren“ (PDF)

Debatte in Fraktionssitzung: Sollte praktische Lehrerausbildung bezahlt werden?
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Sollte praktische Lehrerausbildung bezahlt werden?

 
Sollte praktische Lehrerausbildung bezahlt werden?

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Lehramtsstudenten bekommen während ihres Praxissemesters kein Gehalt. Drei AStA-Vertreter präsentierten am 25.10.2016 den NRW-Piraten im Landtag ihre Vorstellung von fairer Bezahlung. Ein Abgeordneter hielt diese sogar für zu gering.

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Bei Lehrern zeigt sich die SPD unsozial

 
Bei Lehrern zeigt sich die SPD unsozial

Seit rund einem Jahr warten 385 vorzeitig pensionierte Lehrkräfte in Schleswig-Holstein auf einen finanziellen Ausgleich zu längst geleisteten Vorgriffstunden. In einer Antwort auf eine Piratenanfrage heißt es zur Begründung: 350 der 385 Anträge wurden lediglich formlos gestellt und deshalb vom Land zurückgewiesen. Außerdem habe die Regierung bisher schlichtweg keine Zeit für die Bearbeitung gehabt.
Dazu der sozialpolitischen Sprechers der Piratenfraktion, Wolfgang Dudda:

“Das Land lässt seine Arbeitnehmer einfach im Regen stehen. Eine sozialdemokratisch geführte Landesregierung, die sich Mindestlohn und Tariftreuegesetz auf die Fahne geschrieben hat, sollte sich auch angemessen um ihr Lehrpersonal kümmern. Ich hoffe, dass die SPD ihr Glaubwürdigkeitsproblem zeitnah in den Griff bekommt.”

Lehrkräften, die vorzeitig in den Ruhestand gegangen oder dienstunfähig sind, steht es seit dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts im Juni 2015 zu, einen Antrag auf Ausgleich ihrer Vorgriffstunden zu stellen.

35 Anträge sind bislang formgerecht bei der Regierung eingegangen. Die 350 Lehrkräfte, die bereits formlose Anträge gestellt haben, wurden laut Landesregierung bis Mitte September 2016 dazu aufgefordert, ein neues Formular auszufüllen. Es ist nicht davon auszugehen, dass dies die Bearbeitungszeit verkürzt.

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Zum Weltlehrertag: Zufriedene Lehrer bilden starke Kinder aus

 
Zum Weltlehrertag: Zufriedene Lehrer bilden starke Kinder aus

Zum Welttag der Lehrerin und des Lehrers erklärt der bildungspolitische Sprecher der Piratenfraktion, Sven Krumbeck:

„Sie bereiten Ihr Kind auf ein selbstbestimmtes Leben vor, sie bringen Ihrem Kind die Grundlagen für eine Teilhabe an der Gesellschaft bei und sie holen das Beste aus Ihrem Kind heraus: Lehrerinnen und Lehrer. Nicht nur am Weltlehrertag sollte man ihnen dafür danken. Lehrerinnen und Lehrer begleiten Schülerinnen und Schüler durch ihre gesamte schulische Laufbahn, sie sind Lehrkraft und Vertrauensperson, Förderer und Moralinstanz in einem.

Der Anspruch an diese Berufsgruppe ist dementsprechend groß: Lehrerinnen und Lehrer müssen außerordentlich qualifiziert sein, sie müssen soziale Kompetenzen vermitteln können, im Austausch mit den Eltern stehen und müssen sich – neben Vor- und Nachbereitung des Unterrichts – stetig weiterbilden. Wenn es um die Verbesserung schulischer Strukturen und die bestmögliche Vermittlung von Bildung geht, stehen ihre Bedürfnisse also an erster Stelle.

Deswegen setzen wir PIRATEN uns für eine nachhaltige Förderung der Gesundheit und eine angemessene Besoldung von Lehrkräften ein. Lehrerinnen und Lehrer dürfen nicht als reines Dienstleistungspersonal verstanden werden. Die Förderung einer positiven Lernatmosphäre kann nur gewährleistet werden, wenn Lehrkräfte gerechte Arbeitsverträge erhalten – und den Fächern entsprechend genügend Lehrpersonal an den Schulen eingesetzt wird.

Auf diese Weise kann auch der Weg zur digitalen Bildung geebnet werden: Aneignung von Medienkompetenz, Umgang mit modernen Medien im Unterricht, die Verwendung von freien Bildungsmaterialien (Open Education Resources) und die Förderung von E-Learning kann in konstruktiver Zusammenarbeit mit den Lehrerinnen und Lehrer nicht nur einfacher, sondern auch mit Enthusiasmus umgesetzt werden. Damit Kinder bestens gerüstet sind für ein eigenständiges Leben im digitalen Zeitalter.“

Bild: Helene Souza/pixelio.de
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Bildung gibt es nicht zum Dumpinglohn

 
Bildung gibt es nicht zum Dumpinglohn

Der bildungspolitische Sprecher der Piratenfraktion zu befristeten Verträgen für Lehrer:

“Das Land zeigt sich als mieser Arbeitgeber”, so titelte die Schleswig-Holsteinische Landeszeitung bereits vor einem Jahr. Wir PIRATEN hatten mit einer Anfrage aufgedeckt, dass zahlreiche Lehrer bei uns im Land immer wieder mit befristeten Arbeitsverträgen abgespeist werden.

Dass Bildungsministerium versprach damals, dass das Ergebnis der Anfrage noch einmal zum Anlass genommen würde, jeden Fall genau zu prüfen.

Aktuelle Zahlen zeigen: Heute haben sogar noch mehr Lehrer eine befristete Anstellung. Eine erfolgreiche Prüfung sieht für uns PIRATEN anders aus.

Experten haben uns im Ausschuss immer wieder darauf hingewiesen, dass es nicht auf Strukturen oder Organisationsformen ankommt, wenn es um die Qualität des Unterrichts geht. Über die Güte einer Schule entscheiden stattdessen vor allem die Motivation, Ausbildung, Bereitschaft und Flexibilität der Lehrer.

Das allein sollte genügen, um diesen Personal-Schatz zu hüten und zu pflegen. Stattdessen erhalten Lehrer hier nicht selten den Status eines Saisonarbeiters zum Dumping-Lohn bei höchstem Stress-Faktor. Das ist aus Sicht der PIRATEN der falsche Weg und darum unterstützen wir die Initiative der FDP.”

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